Kräuter-Pfarrer Künzle
 

Biographie des Kräuter-Pfarrer
Johann Künzle (1857 – 1945)

Den Grundstock zu seinem umfassenden Wissen über die Heilpflanzen der Heimat und deren Anwendung hatte er sich bereits in früher Kindheit angeeignet. Sein Vater Jakob Anton Künzle zeigte ihm als Gärtner die verschiedenen Pflanzen und verriet ihm auch, deren lateinischen Namen und Herkunft.

Als er später das Kollegium in Einsiedeln besuchte, gehörte die Botanik zu seinen Lieblingsfächern. 1880 nahm er eine Stelle als Kaplan in Gommiswald und Kirchberg an, bevor ihn die Bergpfarrei in Libingen zu ihrem Pfarrer wählte. Schon hier wurde er zum Kräuterdoktor, denn der nächste Arzt wohnte drei Wegstunden entfernt. So griff der Pfarrer in Notfällen als Arzt ein. Er sammelte die Rezepte von alten, erprobten Heilmittelchen und studierte das Verhalten der Tiere. Obschon die Wissenschaftler über ihn spotteten, zog er unbeirrbar seine Schlüsse aus den Beobachtungen.

Als 1918 die gefürchtete Grippe wütete und der Tod überall über die Sense schwang, kämpfte der Kräuterpfarrer mit Kräutertees gegen den „unheimlichen Gesellen“, dem es nicht gelang, dem „Wunderdoktor“ auch nur einen einzigen Patienten abspenstig zu machen. Die Heilerfolge des beliebten Pfarrers erregten grosses Aufsehen und machten ihn berühmt.

Immer mehr Menschen wandten sich an den Kräuterkundigen und baten ihn um Hilfe und Heilung, so dass er schliesslich vor der Entscheidung stand, weiterhin Seelsorger zu bleiben oder sich ganz den Kranken zu widmen. Er entschloss sich für die Kräutermedizin und liess sich in Zizers nieder. In der neuen Heimat fehlte es nicht an Patienten, wohl aber am Verständnis der Behörden des Kanton Graubündens. Er wurde wegen seiner Hilfe an Kranken gebüsst, und gelehrte Kreise sprachen im Zusammenhang mit der Kräuterheilmethode von Aberglauben und Pfuscherei. Es kam zur berühmten Abstimmung über die Heilkräuterinitiative im Kanton Graubünden. Das Volk sprach sich eindeutig für die Kräuterheilkunde aus. Noch gaben sich die Gegner des Kräuterpfarrers nicht geschlagen, hofften sie doch, der „Wunderdoktor“ würde durch das von ihnen aufgestellte Examen fallen. Künzle bestand die Prüfung mit Bravur. Nun war der Weg frei zum Heilen. Besuchen Sie die historische Drogerie im Freilichtmuseum Ballenberg, den Heilpflanzengarten und die Kräuter-Pfarrer Johann Künzle Stube.

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